Richard Münch

Bildung im internationalen Wettbewerb: Zum Wandel der Governance von Schule und Unterricht

Internationale Bildungsvergleichsstudien, wie das seit 2000 alle drei Jahre von der OECD durchgeführte Programme for International Student Assessment (PISA), sind zu einem höchst einflussreichen Instrument der neuen Governance von Bildung, Schule und Unterricht geworden. Sie sind Teil eines Wandels im Verhältnis zwischen Staat und Bildungssystem, bei dem das pädagogische Establishment in der Schaltzentrale der Kultusbürokratie durch einen bildungsindustriellen Komplex abgelöst wird, in dem internationale Organisationen, Think Tanks, Beratungsunternehmen, philanthrokapitalistische Stiftungen, Bildungsreformer und Bildungsforscher mit der Bildungs- und Testindustrie zusammenwirken, um Schule und Unterricht einem tiefgreifenden Wandel zu unterwerfen. An die Stelle der Arbeitsteilung zwischen der staatlichen Verantwortung für die materiellen und gesetzlichen Voraussetzungen des Schulbetriebs, der bürokratischen Kontrolle über dessen formale Rechtmäßigkeit und der professionellen Verantwortung der Lehrerschaft für Curriculum und Unterricht tritt eine spannungsreiche Konfliktlage, in der ein transnationales Expertennetzwerk in Zusammenarbeit mit einer global agierende Bildungs- und Testindustrie eine Reformagenda bestimmt, die das staatlich-bürokratische Handeln unter Anpassungsdruck setzt und die professionelle Treuhänderschaft der Lehrkräfte für Curriculum und Unterricht durch ein externes Kontrollregime ablöst. In dem Vortrag wird zunächst dieser Wandel in der Governance von Schule und Unterricht herausgearbeitet, um dann der Frage nachzugehen, wie weit die davon erhofften Verbesserungen in den Bildungsleistungen, in der Verringerung des Einflusses der sozialen Herkunft auf diese Leistungen und in der Schließung der Leistungskluft zwischen den besser und den schlechter gestellten Schüler/innen zu beobachten sind und welche Nebenfolgen damit einhergehen.

Kurzbiografie